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diverse lebensläufe

man muss ja bereit sein für den fall, in talkshows ausgefragt zu werden

vita 1: 1956 - 1994 -->vita 2 -> vita 3

tab.:*1956; 1963 Costa Rica; 1968 Berlin; 1973 London, Abitur daselbst; 1975 Bonn, Göttingen, Studium der Germanistik; 1982 Wuppertal; seit 1994 Oberhausen

Mein Vater war Steuerberater. Dachte ich jedenfalls immer. Ein bißchen wunderte ich mich damals schon, als wir 1963 nach Costa Rica zogen. Aber…; ich war sieben, und alles war spannend und aufregend und ich sah keine Veranlassung zu hinterfragen, was sich da an gebratenen Tauben in meinen Mund schob. Ich erinnere mich auch nur an wenige Schwierigkeiten, die ich hatte, bereits in der ersten Volksschulklasse zu wechseln.
In Costa Rica ging ich dann in eine Diplo­ma­ten­schule und saß mit vielen reichen Kindern auf der Bank. Vielleicht habe ich daher meine gelinde Aversion gegen reiche Leute.
Wie dem auch sei, wir blieben auch nur fünf Jahre da, und meine Erinnerung lehrt mich, der Strand, die Sonne, das Meer, ja, das waren die wichtigen Sachen, nicht, was mein Vater denn hier mache, oder warum meine Mutter immer so einen bedeutungsvollen Blick bekam, wenn ich aus der Schule die Frage mitbrachte: „Was macht eigentlich dein Vater, unsere Daddies kennen ihn überhaupt nicht.”

1968 zogen wir dann nach Berlin und ich aufs Humboldt-Gymnasium. Da fing ich dann langsam an, Fragen zu stellen, wie so ziemlich jeder zu der Zeit.
Ich werde nie diesen denkwürdigen Abend 1973 vergessen, da ich meinen Vater über einer Flasche Wein zu packen kriegte und er wenigstens ansatzweise mit dem größten Teil der Wahrheit rausrückte.
Wie er damals im WWII begann, erste sub­ver­si­ve, wie man sie damals nannte, Auf­träge für die Briten zu erledigen, und diese ihn dann ’49 zu Reinhard Gehlen brachten. Der verschaffte ihm eine Tarnexistenz als Steuerberater und aktivierte seinen Maulwurf erstmals am Tage nach dieser denkwürdigen Affäre in Dallas ’63.
Was er nun wirklich gemacht hatte, werde ich wohl nie erfahren, allein auch schon deshalb, weil er sich nie die Mühe machte, mich in diese Kreise hineinzubringen.

Na ja, nach Berlin zog ich noch einmal mit ihnen, ’72 nach London, und staunte aus der Ferne über die Hausbesetzungswelle in der BRD. Ich machte mein Abitur auf dem deutschen Gymnasium im Londoner Süden. Einen kurzen Aufenthalt in Bonn ’75 nutzte ich, mir einen Studienplatz in Germanistik zu besorgen, und zwar in Göttingen.
Ich habe meinen Vater immer noch im Verdacht, da mitgemischt zu haben. Denn weder hörte ich jemals was von der Bundes­wehr, noch hatte ich irgendwelche Schwie­rig­keiten mit Numerus Clausus oder Zulassungsbeschränkungen.
Doch damit hatte sich das dann auch schon, und alles, was ich von ihm mitbekam, waren Briefe und Postkarten aus allen Teilen der Welt. Er hat sich jetzt zur Ruhe gesetzt, und ich besuche ihn von Zeit zu Zeit und wir plaudern wie alte Kameraden von den guten alten Zeiten. Meine Mutter hatte damit ei­gent­lich nie viel zu tun und unser Verhältnis war kaum von Höhepunkten oder besonde­ren Niederschlägen geprägt.

Im Verlauf des lerntechnisch ziemlich un­er­heb­lichen Studiums lernte ich 1982 eine Frau kennen, die mich sowohl vom Studium als auch von Göttingen abbrachte. So landete ich dann in Wuppertal, schlug mich als Kellner und Taxifahrer, wie man das halt so macht, durch und begann zu schreiben …

1992 lernte ich im Flugzeug von Rom nach Düsseldorf meine Frau kennen und mit der Geburt meines Sohnes siedelte ich ’94 nach Oberhausen um.

Die Zeit des Gebärens und der ersten Lebensjahre war eine Zeit der Zusammengehörigkeit und des Gemeinsam-Erlebens. Doch je näher die Einschulung rückte, je mehr engagierte ich mich in meiner Vaterrolle – so, wie ich sie ver­stand, als eineindeut­licher Gegen­ent­wurf zu dem, was mir mein Vater vorgelebt hatte – und umso weniger verstand meine Frau dies, so dass ich mich dann eines Tages mit meinem Sohn geschie­dener­maßen in meiner neuen Wohnung alleine fand. Es folgte eine vergleichsweise 'runde' Zeit ohne Frau. Doch als mein Sohn dann sein Studium begann und ich wirklich alleine in meiner Wohnung war - ohne Freunde, ohne Sinn, ohne Inhalt - da fiel es mir dann nicht schwer, mich in die warme Badewanne zu setzen und mit meinem alten Küchenmesser den Schnitt anzusetzen - wohlgelernt nicht quer zur Handwurzel…

not to be continued.


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